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Maria und Markus Neutz

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Aufbau der einzelnen Übungen

Es würde absolut den Rahmen einer Homepage sprengen und eher ein kleines Buch füllen den Aufbau jeder der einzelnen Unterordnungsübungen im Detail zu beschreiben. Einige Auszüge möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten. Zudem ist allein die Theorie in der Regel nicht ausreichend um einen Hund auszubilden. Wer nach Lesen dieser Zeilen neugierig auf meine Arbeitsweise geworden ist, der kann uns im Taubertal doch einmal besuchen kommen und sich davon überzeugen, wie effektiv diese Theorie auch in der Praxis umgesetzt werden kann.

Freifolge

Für den Aufbau der Freifolge nutze ich die Methode des Futtertreibens, weil sie in meinen Augen für beinahe jeden Hund und jeden Hundeführer geeignet ist. Der Hund hat die Möglichkeit über viele Monate die Bewegungen, Position, Konzentration und Aktivität zu erlernen, die später für eine vollkommene Freifolge benötigen werden. Dies alles geschieht ohne Stress für den Hund und ohne ihn jemals zu überfordern.

Bei dieser Übung beginnt man idealerweise mit einem Welpen. Aber auch ein mehrere Jahre alter Hund kann die Fußarbeit auf diese Weise erlernen, oder mit dieser Methode neu darin aufgebaut werden.

Grundsätzlich ist die akkurate Ausführung des Hundeführers elementar wichtig für eine spätere korrekte Fußarbeit des Hundes. Fehler die hier gemacht werden, wirken sich auch für die Zukunft aus. Andererseits gilt, wer hier keine besonderen Fehler macht, hat beste Aussichten auf eine Fußarbeit, auf welche er sich ein Hundeleben lang verlassen kann.

Zunächst wird man beim Futtertreiben mit dem Welpen meist in die Knie gehen müssen, denn das ist wichtig für eine korrekte Ausführung der Übung. Der Hund muss in die Futterhand permanent mit der Schnauze stoßen, also treiben. In dieser befindet sich genau ein Futterbrocken. Die Hand steht wie eine umgedrehte Schale, in der der Hund seine Schnauze vergräbt. Für eine fehlerfreie Position muss die Hand immer am linken Bein des Hundeführers bleiben, als sei sie dort festgeklebt. Der Hund darf die Futterhand nicht nach vorne drücken, da er sonst vorprellt.

Es wir nur wenige Minuten am Tag an dieser Übung gearbeitet. Wenn er es nicht ohnehin schon ist, wird der Hund zuvor positiv eingestimmt, zum Beispiel in dem man ihm Futter zuwirft.
Das trainieren dieser Übung ist stets zu beenden bevor der Hund in Aktivität und Konzentration nachlässt. Er sollte immer regelrecht darauf brennen, in die Futterhand gehen zu dürfen. Wenn ein Hund noch nicht so gerne arbeitet, dann ist es ganz normal nur eine Minute lang an dieser Übung zu arbeiten und die Zeit erst ganz allmählich zu verlängern.

Geeignetes Futter für das Futtertreiben kann je nach Größe der Hundeschnauze Trockenfutter oder Frolic (ganz oder geviertelt), bei wählerischen Hunden aber auch Käsestückchen, Wienerwürste, Fleisch oder Hühnerherzen sein. Wichtig ist, dass der Hund das Futter auch wirklich möchte. Allerdings hat sich bewährt, soweit es geht, Trockenfutter oder anderes eher weniger wertiges Futter zu verwenden. Denn bei dieser Übung geht es nicht um das Futter als Mittelpunkt, es geht um das Treiben und später das Fußlaufen. Das Futter ist nur ein Mittler, es sollte aber nie im Vordergrund stehen. Ich selbst verwende hier ausschließlich Trockenfutter, welches ich den Hunden auch als Hauptfutter füttere.

Begonnen wird in einer reizarmen Umgebung. Mit Welpen oder kleinen Hunden kann das durchaus auch das Wohnzimmer sein, da anfangs nicht viel Platz benötigt wird. Zur Selbstkorrektur ist es ratsam, immer wieder einmal vor einem Spiegel oder einem spiegelnden Fenster zu arbeiten, wie zum Beispiel einer verglasten Terrassentür oder einem Supermarktfenster bei Ladenschluss.

Es sollte vermieden werden, zu sehr den Hund anzuschauen oder sich gar ganz zu ihm zu drehen. Es genügt, dass man den Hund beim Treiben spürt und später ab und an aus dem Augenwinkel sieht. Alles Andere führt in einer Prüfung zu Abzügen, ist eine schwer abbaubare Hilfe und provoziert spätere Fehler des Hundes wie Vorprellen oder schiefes Laufen.

Sobald der Hund das Treiben in die Futterhand unterbricht, bleibt der Hundeführer stehen und wartet bis der Hund das Treiben wieder fortsetzt. Niemals darf der Hund gelockt werden! Das Lauftempo bestimmt zunächst der Hund. Maßgabe hierbei ist, dass durch angepasstes Tempo nie der Kontakt zur Hand abbricht. Daher  wird immer nur so schnell gegangen, wie dies noch gelingt.
Während des Treibens wird der Hund verbal gelobt. Nicht permanent, jedoch gezielt dann, wenn er sich besonders große Mühe gibt. Der Hund soll sich in diesem Moment großartig fühlen, er soll das Bedürfnis entwickeln diese Situation immer wieder zu erleben. Schließlich wird hier auch der Grundstein für die spätere Ausstrahlung des Hundes während der Freifolge gelegt.

Fußlaufen macht Spaß! Das müssen Hundeführer ihren Hunden vermitteln. Darum ist hier im Aufbau die Stimmung stets munter und freudig, damit sich diese auch auf den Hund übertragen kann.

Anfangs nach wenigen Schritten, später auch mal nach längerer Strecke, jedoch immer dann, wenn der Hund besonders aktiv und bemüht ist, gibt der Hundeführer das sich in der Hand befindende Futterstück frei.

Zuerst werden nur sehr kurze Strecken gegangen bis der Hund mit Futter belohnt und  frei geben wird. Nach und nach baut man Winkel, Bögen, Tempowechsel und schließlich auch die Gruppe ein. Erst wenn der Hund diese Elemente sicher beherrscht und in den einzelnen Trainingsabschnitten nie aufhört zu treiben, kann man langsam an den Abbau denken.

Im ersten Schritt des Futterabbaus entfernt sich die Hand während des Treibens für wenige Sekunden von der Schnauze nach oben weg, kehrt aber schnell wieder zurück. Der Hund muss lernen in der Position zu bleiben, in der Erwartung, dass die Hand bald wieder zu seiner Schnauze zurück kehrt. Allmählich werden die Zeiträume mit der Futterhand entfernt vom Hundekopf ausgedehnt und die Hand wird höher in Richtung Gesicht des Hundeführers genommen. Bis schließlich der Hund in korrekter Position und Haltung bleibt, auch wenn die Hand dauerhaft über seinem Kopf ist. Nach wie vor befindet sich Futter in der Hand.

 

Ist dieser Schritt geglückt, kann man nun die Fußarbeit vollenden. Hat man in den letzten Monaten keinen groben Fehler gemacht, werden die Hunde das Gelernte zuverlässig umsetzen. Sie werden ihre Position beibehalten und ihre Aktivität auch ohne Futterhand aufrecht erhalten. Statt dem Treiben in die Futterhand, treiben sie durch ihre Aktivität und Körperspannung. Der Fokus ist nicht mehr die Hand, sondern ein vom Hundeführer gewählter Blickpunkt. Die Hunde können hierbei auch wieder durch ihr Tun Freigabe, Belohnung und Lob auslösen.

 

Hier gabelt sich nun der Ausbildungsweg. Der erfahrene Ausbilder wird nach persönlichem Geschmack und Neigungen des Hundes entsprechend weiter vorgehen.

Große Hunderassen kann man auf Futter aus dem Mund umstellen. Sie werden das Gesicht als neuen Bezugspunkt nehmen. Die Freifolge wird schrittweise aufgebaut, um den Hund nicht zu überfordern. Es ist meist erforderlich dem Hund zuvor das Fangen von Futter spielerisch beizubringen. Diesen Weg gehe ich gerne mit Hunden die von Natur aus eher etwas weniger Vorwärtsdrang besitzen.

Bei sehr aktiven Hunden besteht hier jedoch ein erhöhtes Risiko des Vorprellens im Vergleich zu der Variante in der mit Futter oder Spielzeug, welches sich unter der linken Achsel des Hundeführers befindet, belohnt wird. Letztere Variante präferiere ich daher für bewegungsfreudigere Hunde, da durch den Fokus auf die Achsel eine schöne Aufrichtung des Kopfes, bei gleichzeitig korrekter Position leicht erreicht werden kann. Das schrittweise Vorgehen bei der Umstellung erfolgt allerdings gleich, egal welcher Fokus gewählt wird.

Bei kleinen Hunderassen empfehle ich das Futter aus dem Mund nicht. Ebenso wenig ein Spielzeug unter der Achsel.
Denn wenn ein kleiner Hund in das Gesicht seines Hundeführers sehen möchte, muss er automatisch den Kontakt zum Bein verlassen! Er weicht seitlich ab und prellt vor und dies ist fehlerhaft im Sinne der Prüfungsordnung. Dennoch sollte auch der kleine Hund aufmerksam nach oben schauen. Ich erreiche dies, indem ich die kleinen Hunde  "an der Hand lasse". Der Bezugspunkt bleibt so weiterhin die Hand über dem Kopf des Hundes.

Hier kann auch über längere Zeit ein Futterbrocken in der Hand bleiben. Im Endstadium läuft der Hundeführer nahezu prüfungsmäßig und wenn er die Arbeit seines Hundes belohnen will, löst er diese auf und der Hund erhält den Futterbrocken. Dies geschieht aber immer in der Fußposition, die Hand geht also zur Hundeschnauze, beziehungsweise wird der Futterbrocken von oben genau über der Schnauze fallen gelassen. Ein solches Vorgehen festigt weiter die korrekte Position und beugt ein Springen in Richtung Futterhand vor.

 

Zur späteren Kontrolle geht der Hundeführer natürlich auch immer wieder ohne einen Futterbrocken in der Hand, der Hund wird aber das gewohnte Bild zeigen. Damit der kleine Hund zuverlässig auf die Hand fixiert bleibt, sollte sich darin im Training meist Futter befinden, da es sonst sein kann, dass er anstatt der Hand das Gesicht als Bezugspunkt zu wählen beginnt.

Für die Freunde des Klickers
: In der Phase des Abbaus kann man den Klicker sinnvoll verwenden. Während des Treibens ist dies nicht nötig, da hier bereits ein primärer Verstärker, nämlich das sofort erreichbare Futter eingesetzt wird. Beim Abbau kann nun aber mittels Klick das gewünschte Verhalten markiert  und mit dem Futter aus der Hand der Hund belohnt werden. Nach dem Klick würde ich jedoch auf das verbale Lob aus oben genannten Gründen nicht verzichten.